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Spannung und Dramaturgie

Submitted by admin on 6. Oktober 2011 – 11:07No Comment
Spannung und Dramaturgie

Michael Moesslang, 5 Sterne Redner und Top 100 Trainer aus München, fordert in seinem neuesten Buch „So würde Hitchcock präsentieren“ sowie im Gespräch mit dem Online Magazin Lecker Bücher spannendere Präsentationen. Gleichzeitig zeigt er auf, wie dies mit Methoden des genialen Hollywood-Regisseurs möglich wird.

Lecker Bücher: Der Markt ist voll von Ratgebern zu den Themen Managment, Startegie und Präsentation. Warum also noch ein Präsentationsbuch?
Michael Moesslang: Ich habe keines über Spannung und Dramaturgie in der Präsentation gefunden. Es gibt in der Tat mehrere hundert Bücher über PowerPoint-Folien, Vortragstechniken, Rhetorik und all das. Doch wie kann eine Präsentation spannend werden, ohne daß man Drehbuchautor oder Theater-Dramaturg ist? Ich habe dann selbst angefangen, zu recherchieren und daraus ist dieses Buch entstanden.

Lecker Bücher: Wie sind Sie dabei auf Hitchcock gestossen?
Michael Moesslang: Alfred Hitchcock hat ja den Beinamen „Master of Suspense“, Großmeister der Spannung. Ehrlich gesagt lag die Idee nahe. Meine Sorge war nur, daß die ganz Jungen Hitchcock gar nicht mehr kennen. Doch ein Blick in die 250 besten Filme aller Zeiten zeigte mir: Da ist Hitchcock immer noch mehrmals vertreten. Und im Fernsehen kommen weiterhin Wiederholungen, wenn auch zu später Stunde. Bedenken Sie, die wichtigsten Filme sind schon 50 Jahre alt.

Lecker Bücher: Und was können wir nun von Filmen wie „Die Vögel“ oder „Psycho“ lernen?
Michael Moesslang: Vor allem, daß Spannung einfach sein kann. Der Meister überließ nichts dem Zufall. Er wollte, wie er es nannte, „Filme ohne Löcher und Flecken.“ Und jetzt stellen Sie sich eine ganz alltägliche Präsentation vor: Da sind viele, viele Löcher und Flecken. Spannung beginnt mit einer guten Dramaturgie. Wenn jeder das Ergebnis schon weiß, wozu dann noch drüber reden? Jeder Film, jedes Fußballspiel, jede Geschichte, hat eine eigene Dramaturgie, das Ende ist überraschend.
In „Psycho“ hat Hitchcock etwas noch nie da Gewesenes gemacht: Er hat die Hauptdarstellerin schon in der Mitte des Films ermorden lassen – die berühmte Dusch-Szene: mit 50 Schnitten zeigt er den grauenvollen Tod, die acht Messerstiche, das Blut in der Wanne und das langsame Entweichen des Lebens. In Schwarzweiß, in einer Zeit in der eigentlich nur noch in Farbe gedreht wurde. Und keiner weiß, warum die Mutter von Norman Bates, diesen Mord begeht, Hitchcock zeigt sie uns ja nur als Umriß im Gegenlicht. Daß sie seit Jahren tot ist und Bates psychopathisch als seine Mutter mordet, verrät uns Hitchcock erst zum Schluß. Das ist die Dramaturgie, das Geheimnis, die Überraschung.

Lecker Bücher: Was ist das Geheimnis bei einer Präsentation?
Michael Moesslang: Wenn Sie etwas präsentieren: Fragen Sie sich: Was ist das Besondere, das Highlight? Wenn es keines gibt, entwickeln Sie eines. Und dann bewahren Sie dieses Geheimnis bis fast zum Schluß. Es soll aber keine plötzliche Überraschung sein, sondern Sie kündigen diese immer wieder direkt oder indirekt an. So entsteht Suspense, die Spannung, die daraus entsteht, daß das Publikum einiges weiß, aber nicht alles. Erst zum Schluß, am Höhepunkt, entsteht Klarheit.

Lecker Bücher: Geben Sie uns einen Tip, wie unsere Leser eine Präsentation spannender machen können?
Michael Moesslang: In meinem Buch gibt es viele, in jedem der zwölf Kapitel geht es um einen Bereich, Spannung zu erzeugen. Die Dramaturgie ist die wichtigste aber auch die aufwändigste. Vielleicht ist es der: Wie sprechen Sie, wenn Sie jemandem etwas Spannendes, Emotionales, Überraschendes erzählen? Sie setzen eine ganz andere Sprechweise ein, nutzen ein viel breiteres Spektrum Ihrer Stimme und werden vermutlich auch eine entsprechende Gestik dazu haben, als das bei den meisten während einer Präsentation der Fall ist. Und in Ihrem Körper ist diese Spannung zu spüren. Machen Sie das auch, wenn Sie in Ihrer Präsentation etwas spannend oder emotional machen wollen. Übertreiben Sie es sogar ein wenig. Zum einen, weil die Selbstwahrnehmung ganz anders als Ihr Fremdbild ist: Andere nehmen Sie noch lange nicht übertrieben wahr, wenn Sie schon denken, Sie machen sich zum Affen. Zum anderen, weil Sie bei einer Präsentation in einem großen Raum zu mehreren Menschen sprechen. Da kommt hinten ohnehin weniger an, als Sie vorne machen.

Lecker Bücher: Wollen Kunden, Kollegen oder Vorgesetzte denn überhaupt derartig „bespaßt“ werden?
Michael Moesslang: Eindeutig Ja! Es geht doch darum, daß Sie bei Ihrer Präsentation ein Ziel erreichen wollen, in der Regel überzeugen oder verkaufen. Wenn Sie es schaffen, durch Spannung mehr Aufmerksamkeit zu erreichen, steigen auch Ihre Chancen, zu überzeugen. Denn wer nicht zuhört, womöglich nebenbei E-Mails bearbeitet, der wird sich kaum überzeugen lassen.

Über das Buch

Spannung statt Langeweile fordert der Autor Michael Moesslang mit diesem Buch. Er zeigt auf, wie die Stilmittel und Techniken des Hollywood Regisseurs Alfred Hitchcock für filmreife Präsentationen genutzt werden können. Der Meister der Spannung unterschied dabei zwischen Suspense, Tension und Surprise und erarbeitete jedes Detail, bis er jede Szene so hatte, wie es das Publikum eben nicht erwartete. Vorhersehbarkeit erzeugt Langeweile, Spannung sorgt für Aufmerksamkeit.
In zwölf Kapiteln zeigt Michael Moesslang wie man spannende Präsentationen vorbereitet und vorträgt. Von der richtigen Planung und Vorbereitung bis hin zum Einsatz der perfekten Bildsprache finden sich zahlreiche Tips und Tricks für eine spannungsgeladene Darstellung.

Michael Moesslang
So würde Hitchcock präsentieren
Redline Verlag 2011, 300 Seiten

„So würde Hitchcock präsentieren“ können Sie hier kaufen >>>

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